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Dr. Björn Bernhard, Rheinmetall Landsysteme: „Sinnhaftigkeit von Verteidigung wird nicht mehr in Frage gestellt“

25. Aug 2023

Stellen sich den neuen Aufgaben - Marder 1A3 und Dr. Björn Bernhard, CEO der Rheinmetall Landsysteme GmbH

In unserer Serie „CEO im Interview“ stellen wir Geschäftsführer und ihre Unternehmen vor. In dieser Folge ist Dr. Björn Bernhard an der Reihe, Geschäftsführer des Unternehmens Rheinmetall Landsysteme GmbH, Kassel. Mit Blick auf einen aktuellen Trend in der Branche beobachtet das Unternehmen, dass die wehrtechnische Industrie als immer wichtiger und damit auch attraktiver, insbesondere bei jungen Menschen, wahrgenommen wird.

Herr Dr. Bernhard, seit wann besteht Rheinmetall, wie viele Mitarbeitende beschäftigen Sie und was bietet das Unternehmen?

Rheinmetall gibt es schon seit 1889, die Aktivitäten im Fahrzeugbereich kamen aber erst nach 1990 hinzu. Die Division „Vehicle Systems“ steht innerhalb der Rheinmetall AG für das gesamte Leistungsspektrum für logistische und taktische Militärradfahrzeuge, Ketten- und Kampffahrzeuge sowie Turmsysteme. Die Rheinmetall Landsysteme GmbH ist ein Teil dieser Division und dort für die Entwicklung und Fertigung von gepanzerten Rad- und Kettenfahrzeugen, Turmsystemen und Waffenstationen zuständig. Sie beschäftigt derzeit mehr als 3.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Standorten Unterlüß, Kassel, Kiel, Flensburg, Düsseldorf und Hamburg. Hiervon entfallen allein auf Kassel ca. 1.400 Beschäftigte.

Wie war Ihr bisheriger Werdegang?

Nach abgeschlossenem Studium der Agrarwissenschaften und einer mehrjährigen Tätigkeit an der Universität Hohenheim, habe ich 2004 als Systemingenieur bei Rheinmetall Landsysteme in Kiel meinen beruflichen Werdegang begonnen. Nach vierjähriger Tätigkeit dort wurde mir die Geschäftsführung der PSM, einem Joint Venture zwischen Rheinmetall und KMW, angetragen. Seit 2022 fülle ich die Funktion des Managing Directors bei Rheinmetall Landsysteme sowie die CEO Stelle der Business Unit Tactical Vehicles aus.

Was schätzen Sie daran, Geschäftsführer bei Rheinmetall zu sein?

Als Geschäftsführer in leitender Position im Defence-Bereich innerhalb eines börsennotierten Unternehmens habe ich die Möglichkeit, die Richtung des Unternehmens mit zu lenken, strategische Entscheidungen mitzutreffen und Innovationen voranzutreiben. Dies ist mit Verantwortung, Herausforderungen und Chancen verbunden. Besondere Herausforderungen sind hierbei die komplexen regulatorischen Anforderungen der Rüstungsindustrie, sowohl national als auch international: Ethik und Moral, d.h. der Einklang von Geschäftsinteressen und gesellschaftlicher Verantwortung. Aber natürlich stellen auch geopolitische Unsicherheiten eine besondere Herausforderung dar, weil weltweite politische Spannungen und Konflikte Auswirkungen auf Aufträge und Lieferketten haben. Insbesondere im Defence-Bereich spielen zudem technologischer Fortschritt, Lieferkettenmanagement, Reputation und öffentliche Wahrnehmung sowie der Fachkräftemangel eine große Rolle.

All diese Herausforderungen erfordern eine umfassende strategische Planung, gute Kommunikation und die Fähigkeit, flexibel auf sich ändernde Umstände zu reagieren.

CEO im Interview: Unser Fragebogen

Viele hundert Mitgliedsunternehmen mit zehntausenden Beschäftigten – das hat das Netzwerk des Arbeitgeberverbands HESSENMETALL Nordhessen und des Unternehmerverbands Nordhessen zu bieten. Hinter diesen Zahlen stehen starke Frauen und Männer an der Spitze dieser Unternehmen. Ihnen haben wir mit der Rubrik „CEO im Interview“ ein besonderes Format eingeräumt. Sie waren noch nicht dabei? Hier können Sie das Formular ausfüllen.

Wie viel Freizeit haben Sie, und was machen Sie damit?

Natürlich ist bei mir als Geschäftsführer einer großen Defence-Gesellschaft wie der Rheinmetall Landsysteme sowie gleichzeitig auch Leiter einer internationalen Business Unit die Freizeit stark limitiert. Von daher gilt der Grundsatz für mich Qualität vor Quantität. An erster Stelle steht hier für mich das Verbringen gemeinsamer Zeit mit meiner Frau sowie meinen beiden heranwachsenden Kindern. Wir haben hier gewisse Regularien eingeführt, die auch während der Woche, sofern ich in Kassel bin, gemeinsame Mahlzeiten und Gespräche ermöglichen. Am Wochenende und während des Urlaubs stehen gemeinsames Kochen und Grillen mit Freunden, Ausflüge und Reisen auf der Tagesordnung.  Sportliche Aktivitäten, Wandern und viel frische Luft sind für mich persönlich sehr wichtig, um den beruflichen Anforderungen gerecht zu bleiben. Wenn dann noch Zeit bleibt, ziehe ich mich gerne in meine Garage zurück und bastele an Motoren aller Art.

Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für unsere Region und haben Sie Lösungsansätze?

An erster Stelle muss weiter an der Verbesserung der hiesigen Infrastruktur gearbeitet werden, damit meine ich insbesondere die verkehrstechnischen Anbindungen der Stadt und Region Kassel.

Darüber hinaus sollte weiter an dem Ausbau unseres lokalen Flughafens Kassel/Calden gearbeitet werden. Derzeit finden hier wieder vermehrt auch Frachtflüge statt, was ich sehr begrüße.

Eine weitere Herausforderung wird sein, Fach- und Führungskräfte in der Region selbst auszubilden sowie darüber hinaus auch in die Region zu holen und dann auch entsprechend zu halten. Dafür muss insbesondere die Stadt Kassel weiter an Attraktivität gewinnen. Gerade für junge Menschen und Familien hat der Freizeitwert einer Stadt eine immer größer werdende Entscheidungsrelevanz.

Was konkret unternehmen Sie bei Rheinmetall gegen den Fachkräftemangel?

Der Fachkräftemangel wird bei uns durch verschiedene Maßnahmen angegangen: Die Förderung der Ausbildung steht hier an vorderster Stelle. Ziel ist es, die Ausbildung mittelfristig in kompletter eigener Hand an allen Standorten der Rheinmetall Landsysteme durchzuführen.

Darüber hinaus sind wir dabei, unser Konzept zur Optimierung der Recruiting-Strategien umzusetzen. Ein weiterer Baustein sind Kooperationen mit Bildungseinrichtungen, Schulen, Universitäten und Fachhochschulen.

Auch der Ausbau von Netzwerken und Kooperationen wie der Austausch mit anderen Unternehmen, Branchenverbänden und Fachnetzwerken wird weiter vorangetrieben.

Welchen Trend beobachten Sie in Ihrer Branche?

Deutlich wahrnehmbar für uns ist, dass die wehrtechnische Industrie immer wichtiger und damit attraktiver, insbesondere auch bei jungen Menschen, wahrgenommen wird. So sind die Bewerberzahlen für die Ausbildung, aber auch für die Besetzung der Fach- und Führungspositionen deutlich nach oben gegangen. Dies bedeutet nicht, dass hier nicht noch Raum für Entwicklung wäre, siehe eben aufgeführte Optimierungsideen.

Besonders zu beobachten ist, dass die Sinnhaftigkeit von Verteidigung grundsätzlich nicht mehr in Frage gestellt wird. Ich gehe davon aus, dass sich dies auch mittelfristig nicht ändern wird. Das bestätigt uns, sodass wir mit Mut und Zuversicht in eine sichere Zukunft blicken.

Vielen Dank, Herr Dr. Bernhard, für das Interview.

Frauke Syring
Frauke Syring

Referentin Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit im HAUS DER ARBEITGEBERVERBÄNDE NORDHESSEN und Geschäftsführerin SCHULEWIRTSCHAFT Nordhessen
Telefon: 0561 1091-323
E-Mail

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