Für Unternehmen in Nordhessen entscheidet zunehmend die Geschwindigkeit kommunaler Entscheidungen über Investitionen und Standorttreue. Ob Bauanträge, Erweiterungen oder Infrastrukturprojekte: Lange Verfahren und unklare Zuständigkeiten wirken wie ein Wettbewerbsnachteil.
„Verwaltungstempo ist keine Detailfrage, sondern harte Standortpolitik“, sagt Coralie Zilch, Geschäftsführerin der VhU Nordhessen. „Unternehmen brauchen verlässliche Verfahren, klare Ansprechpartner und realistische Fristen. Verzögerungen kosten Investitionen – und am Ende Arbeitsplätze.“
Gerade vor Ort liegen entscheidende Stellschrauben. Kommunen können Prozesse priorisieren, digitalisieren und Ermessensspielräume praxisnah nutzen. Die Stadt Kassel hat sich in ihrer Wirtschaftsstrategie als „Möglichmacherin“ positioniert. Aus Sicht der Arbeitgeber kommt es nun darauf an, dass sich dieser Anspruch im Verwaltungsalltag widerspiegelt.
Wie hoch der Handlungsdruck ist, zeigt sich auch im Gastgewerbe: Ein mittelständisches Unternehmen in Hotellerie und Gastronomie verbringt im Schnitt rund 14 Stunden pro Woche allein mit Bürokratie- und Dokumentationspflichten. Zeit, die für Gäste, Mitarbeitende und unternehmerische Entwicklung fehlt, wie Oliver Kasties, stellv. Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gastronomieverbands DEHOGA Hessen betont.
Die nordhessische Wirtschaft erwartet, dass Verwaltungstempo künftig systematisch als Standortfaktor verstanden wird. Denn in Zeiten von Transformation und Fachkräftemangel gilt mehr denn je: Schnelle Entscheidungen schaffen Vertrauen und halten Investitionen in der Region.
Informationen:
Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) hat anlässlich der Kommunalwahl eine Broschüre mit den Erwartungen der hessischen Wirtschaft an die Politik veröffentlicht. Sie kann hier heruntergeladen werden.
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