Der Zuwachs ausländischer Beschäftigung trägt das gesamte Beschäftigungswachstum in Nordhessen. Zwischen 2019 und 2025 ist die Zahl der ausländischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Region von rund 35.000 auf rund 52.800 gestiegen. Das bedeutet ein Plus von rund 17.900 oder gut 50 Prozent. Im gleichen Zeitraum ging die Zahl der deutschen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um rund 7300 zurück. Unter dem Strich wuchs die Beschäftigung in der Region dennoch um rund 10.600 Personen. Ohne den Zuwachs bei den ausländischen Beschäftigten hätte Nordhessen Beschäftigung verloren.
Für Coralie Zilch, Geschäftsführerin der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) Nordhessen, ist der Befund eindeutig: „Ohne den Beitrag ausländischer Beschäftigter läge die Beschäftigung nach den aktuellen Zahlen unter dem Niveau von 2019. Qualifizierte Zuwanderung ist deshalb keine Randfrage, sondern eine Voraussetzung für die wirtschaftliche Zukunft Nordhessens.“

Arbeitslosigkeit steigt stärker als die Beschäftigung
Der Blick auf die Arbeitslosigkeit zeigt zugleich, wie viel bei der Integration in den Arbeitsmarkt noch offen ist. Im Jahresdurchschnitt 2025 waren in Nordhessen rund 11.600 ausländische Menschen arbeitslos – gut 5.100 mehr als 2019. Das ist ein Anstieg um gut 77 Prozent und damit deutlich mehr als der Zuwachs bei der Beschäftigung.
Zilch leitet daraus einen doppelten Auftrag ab: „Wir brauchen beides: mehr qualifizierte Zuwanderung und eine bessere Arbeitsmarktintegration derjenigen, die bereits hier leben. Schneller Zugang zu Sprache und Qualifizierung und schnellere Anerkennungsverfahren nützen den Menschen selbst genauso wie unseren Unternehmen und den Sozialversicherungen.“

839.000 Drittstaatsangehörige in Hessen – nur 62.000 wegen Arbeit oder Ausbildung
Hinter den Zahlen stehen sehr unterschiedliche Wege nach Deutschland. Wer gezielt für eine Ausbildung oder eine Stelle zuwandert und Qualifikation und Sprachkenntnisse mitbringt, steigt oft direkt in den Arbeitsmarkt ein. Wie groß der Unterschied ist, zeigt der Blick auf das Land: Zum 31. Dezember 2025 lebten rund 839.000 Drittstaatsangehörige in Hessen. Darunter hatten rund 62.000 einen befristeten Aufenthaltstitel zum Zweck der Ausbildung oder Erwerbstätigkeit. Rund 390.000 hatten einen Aufenthaltstitel aus humanitären oder familiären Gründen oder verfügten über keinen Aufenthaltstitel.
„Fachkräftezuwanderung und Asylzuwanderung folgen unterschiedlichen Voraussetzungen und Zielen“, sagt Zilch. „Wer beides vermischt, wird weder der Integrationsaufgabe noch dem Fachkräftebedarf gerecht.“
Zentrale Stelle soll im Herbst starten
Umso wichtiger sei es, dass Hessen die Fachkräftezuwanderung beschleunigt. Ab Oktober 2026 soll die Zentrale Stelle für Fachkräfteeinwanderung Hessen beim Regierungspräsidium Darmstadt Unternehmen als zentraler Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
„Wer eine qualifizierte Fachkraft für sein Unternehmen gefunden hat, darf nicht monatelang auf Entscheidungen von Ausländerbehörden und Anerkennungsstellen warten“, macht Zilch deutlich. „Die zentrale Stelle ist richtig und überfällig – sie muss die Verfahren jetzt spürbar schneller und verlässlicher machen.“

Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Jahresdurchschnittswerte 2019 und 2025, sowie Hessisches Statistisches Landesamt; Auswertung der VhU. Die Werte für Nordhessen sind die Summe der sechs Gebietskörperschaften Kassel (Stadt), Kassel (Landkreis), Schwalm-Eder-Kreis, Waldeck-Frankenberg, Werra-Meißner-Kreis und Hersfeld-Rotenburg; als eigene Region ist Nordhessen in der Statistik nicht ausgewiesen.
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