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Herbstumfrage bei nordhessischen Metall- und Elektro-Unternehmen. Rahier: „Investitionen legen Rückwärtsgang ein, Beschäftigungsabbau kündigt sich an.“

8. Dez 2020

Keine guten Aussichten für 2021. Jürgen Kümpel und Carsten Rahier stellen die Ergebnisse der Herbstumfrage in der nordhessischen Metall- und Elektro-Industrie vor

Kassel. Strukturwandel und Corona-Krise haben die nordhessischen Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie stark ausgebremst. Sinkende Umsätze und Erträge sorgen für ein düsteres Stimmungsbild: Investitionen werden zurückgefahren und Kosten müssen eingespart werden. Der Exportmotor, bisher verlässliche Erfolgsgröße, stottert gehörig. Aufgrund der ausbleibenden Aufträge geht es mit beschleunigtem Tempo bergab. Beschäftigungsabbau kündigt sich an.

„Schon unsere Herbstumfrage 2019 hatten wir mit Stimmungsindikatoren im tiefen Fall betitelt. Nun haben Strukturwandel in Kombination mit den Auswirkungen der Covid-19 Pandemie unserer Branche in diesem Jahr einen heftigen Tiefschlag versetzt: Auftrags- und Umsatzeinbrüche bis zu 50 Prozent sind keine Ausnahme. Wir befinden uns in der schwersten Wirtschaftskrise nach dem 2. Weltkrieg. Der Erhalt der Arbeitsplätze steht an erster Stelle und war bis dato vielfach nur durch die schnelle Einführung und Durchführung von Kurzarbeit möglich. Doch auch Kurzarbeit kostet die Unternehmen Geld und kann nicht ewig fortgesetzt werden. Die Unternehmen brauchen auf lange Sicht eine positive Zukunftsprognose und vor allem Entlastung, keine Belastung“, kommentiert Carsten Rahier, Vorsitzender des Arbeitgeberverbands HESSENMETALL Nordhessen, die Ergebnisse der diesjährigen Herbstumfrage. Sie wird jährlich bei den Verbandsmitgliedern durchgeführt. Beteiligt hatten sich 44 Unternehmen unterschiedlicher Größe mit insgesamt zirka 10.000 Beschäftigten.

Stimmungsbarometer steht auf Sturm

Die allgemeine Geschäftslage wird von 27,9% (Vj. 34,9%) der Befragten mit „schlecht“ und nur von 14,0% (Vj. 27,9%) mit „gut “ eingeschätzt. In den kommenden sechs Monaten rechnen 56,8% (Vj. 51,2%) mit einer „vergleichbaren“ Geschäftslage. Ein Viertel der Befragten erwartet sogar eine schlechtere Geschäftslage.

Die Auftragsbestände sind für über die Hälfte der Unternehmen (52,3%) derzeit „zu gering“. Für die nächsten sechs Monate „Eher abnehmend“ sagen 27,3%. 43,2% rechnen mit einer unveränderten Situation.

Die wertmäßigen Umsätze sind schlechter als vor einem Jahr. Das sagen 31,8% (Vj. 27,9%). Für nur 15,9% sind sie „gut“. Düsterer werden die Aussichten für das nächste halbe Jahr: Ein Drittel der Betriebe rechnet mit weiter sinkenden Umsätzen.

Mehr als ein Drittel der Betriebe klagt über ein schlechtes Ertragsniveau (36,4%). Nur 15,9% bezeichnen es als „gut“. Die Erwartungen für die nächsten sechs Monate sind für 29,5% „eher fallend“.

Investitionen legen Rückwärtsgang ein

Die Krise hat direkte Auswirkungen auf die Investitionen, die von Zurückhaltung geprägt sind: für 47,7% der Befragten sind sie „zu gering“; „eher fallend“ befürchten 29,5% für das erste Halbjahr 2021.

Die drei größten Schwerpunkte der Investitionen verzeichnen die Bereiche Ersatzinvestition, gefolgt von Rationalisierungsinvestition und Produktinvestition.

Betrug der Anteil der Auslandsinvestitionen vor einem Jahr noch 13,7%, schrumpft er laut diesjähriger Umfrage auf 8,6%. Wenn, dann wird vorrangig im Euroraum investiert, gefolgt von Nordamerika und Asien.

Sorgenkind Nummer eins: der Export

Zwar ist der Exportanteil im Vergleich zum Vorjahr mit 31,2% gleichgeblieben (Vj. 31,5%). Exportiert wird hauptsächlich in den Euroraum (46,8%) und das übrige Europa (18,2%).

Für über die Hälfte der Unternehmen (55%) sind aber die wertmäßigen Exporte „zu gering“. Das bedeutet mehr als eine Verdoppelung des Vorjahreswertes (23,1%). Der Exportmotor, bisher verlässliche Größe und Erfolgsgarant für die deutsche Wirtschaft, stottert daher gewaltig. Ein Viertel der Befragten rechnet mit weiter fallenden Exportumsätzen.

Beschäftigungslage

Die aktuelle konjunkturelle Situation bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Beschäftigung: Ein Stellenabbau zeichnet sich ab. Von den aktuell 357 Zeitarbeitsstellen werden in den nächsten sechs Monaten ca. 38% abgebaut. Bei den fest angestellten Beschäftigten ist mit einem geringen Volumen zu rechnen (minus 4,7%).

Betroffen davon sind in erster Linie Beschäftigte in der Produktion, sagen 52,5% der befragten Unternehmen, gefolgt von Verwaltung (30,5%). Dieses Größenverhältnis wird sich im nächsten halben Jahr fortsetzen, so die Ergebnisse der Umfrage. 

Tarifverhandlungen 2021 stehen an

Mitten in dieser für Arbeitgeber und Arbeitnehmer bedrohlichen Situation fordert die IG Metall u. a. vier Prozent mehr Entgeltvolumen.

Jürgen Kümpel, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands dazu: „Man muss kein Wirtschaftsweiser sein, um zu erkennen, dass es angesichts der teilweise dramatischen Auftragseinbrüche und schlechten Perspektiven bei vielen Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie keinen Verteilungsspielraum gibt. Wer dennoch vier Prozent mehr Entgeltvolumen fordert, hat den Ernst der Lage nicht begriffen. Bisher konnten die Unternehmen ihre Belegschaften durch Kurzarbeit weitestgehend an Bord halten. Dass die IG Metall angesichts dieser Tatsache den Arbeitgebern unterstellt, sie würden die Pandemie zum Stellenabbau missbrauchen, ist ungeheuerlich.“

Der Verband registriere, dass die IG Metall trotz dieser außergewöhnlichen Situation wiederholt in alte Rituale verfalle. Das zeigten auch die regionalen Verhandlungen über Haustarifverträge. Die Vorgehensweise der Gewerkschaft, für Mitglieder Extra-Boni zu fordern und den anderen Teil der Belegschaft mit weit geringen Zahlungen abzuspeisen, zeuge nicht gerade von kluger Personalpolitik. Dazu Kümpel: „Die gelebte betriebliche Praxis in vielen Unternehmen ist glücklicherweise eine andere: arbeitgeberseitig wird nicht zwischen Gewerkschaftsmitgliedern und Nicht-Mitgliedern unterschieden. Schließlich können Arbeitgeber in der Regel nicht wissen und dürfen auch nicht erfragen, wer Mitglied einer Gewerkschaft ist und wer nicht. Die Vorgehensweise der Gewerkschaft spaltet die Belegschaft. Das gefährdet den Betriebsfrieden.“

Hintergrund

Der Arbeitgeberverband HESSENMETALL Nordhessen ist eine von fünf Bezirksgruppen des Arbeitgeberverbandes HESSENMETALL, bei dem aktuell 646 Unternehmen mit rund 130.000 Beschäftigten organisiert sind. Die Bezirksgruppe in Nordhessen hat 159 Mitgliedsunternehmen mit mehr als 26.000 Beschäftigten und vertritt diese in den klassischen Feldern des Arbeits- und Sozialrechtes, ist Tarifpartner und betreibt aktive Bildungs- und Gesellschaftspolitik.

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