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Daniel Peplau: „Wir sind gern eine Nummer kleiner, dafür aber umso spezieller“

1. Feb 2023

Daniel Peplau, Geschäftsführer der Landwehr + Schultz Trafo GmbH in Calden

Daniel Peplau hat ein ehrgeiziges Ziel: „Meine Leidenschaft ist es, Landwehr + Schultz wieder zur alten Blüte zu führen.“ Vor 13 Monaten, im Januar 2022, hat der 27-Jährige das Unternehmen in Calden übernommen – und richtet es jetzt voll auf die Zukunft aus.

Peplau ist gebürtiger Rheinländer und stammt aus einer Handwerkerfamilie – Vater und Großvater waren Vollbluthandwerker. Er selbst aber interessierte sich besonders für eine andere Seite: „Handwerk ist zwar sehr spannend, aber das Kaufmännische, das Betriebswirtschaftliche und auch der Vertrieb – das hat mir immer am meisten Spaß gemacht.“

Daher führte ihn sein beruflicher Werdegang zunächst in den Möbelhandel. Besonders wohl fühlte er sich in der Möbelindustrie, nah dran an den Herstellern und an den Materialien. Wie aber wird man vom Möbel-Vertriebsleiter zum Geschäftsführer eines Industrietechnikspezialisten?

„Natürlich ist Transformatorentechnik etwas ganz anderes als ein höhenverstellbarer Schreibtisch“, sagt Peplau. „Aber von der kaufmännischen Seite ist das sehr ähnlich: Du musst die Kunden gut behandeln, musst rausfahren, die Preise gut kalkulieren und dich intensiv mit dem Markt beschäftigen. Natürlich brauchst du auch deine technischen Leiter und deine Entwickler, aber solche Experten gibt es auch im Möbelbereich.“

Erfolgreiche Unternehmensnachfolge

Was so einfach klingt, geht nicht von heute auf morgen: Nachdem er auf ein typisches Nachfolgeproblem in der Region aufmerksam gemacht wurde, machte Peplau deutlich, dass er sich eine Rolle als Unternehmer vorstellen könne. Irgendwann stand das Unternehmen dann zum Verkauf – und heute ist er Geschäftsführer und Chef von 35 Mitarbeitern bei der Landwehr + Schultz Trafo GmbH mit Sitz in Calden und einem Standort in Thüringen.

Bei diesem Prozess half und begleitete maßgeblich die Jakob & Sozien Steuerkanzlei. „Dafür bin ich bis heute sehr dankbar“, sagt der Jungunternehmer: „Ich wurde hervorragend beraten und durch die einzelnen Schritte geführt.“

Frisch im Unternehmen angekommen drückte der Jungunternehmer dann auch quasi noch einmal die Schulbank: „Ich mag Technik und Innovation und habe mich stark in die Materie eingearbeitet. Zum Beispiel war ich mehrere Wochen lang durchgehend im Blaumann in der Fertigung und stand dabei und packte mit an, wenn etwa Trafos gewickelt und geschweißt wurden. Das hat mir auch bei der Belegschaft Respekt verschafft.“

„Habe einen kooperativen Führungsstil“

Auch noch heute geht Peplau jeden Tag durch die Fertigung und sucht den persönlichen Austausch: „Ich habe einen kooperativen Führungsstil“, sagt er, „will ständig im Austausch sein mit den Mitarbeitern und auf keinen Fall Mikromanagement betreiben.“ Stattdessen sollen seine Beschäftigten selbstständig mitarbeiten, mitdenken und nicht nur auf Impulse warten. Außerdem habe er Betriebsfeiern wieder eingeführt, lacht der 27-Jährige, der mittlerweile wieder etwas mehr Freizeit hat als noch vor einem Jahr.

„Als ich angefangen habe, habe ich jeden Tag 12 bis 14 Stunden geschwitzt, um mich einzuarbeiten und das Material heranzukriegen, die Bestände waren sehr runtergefahren. Wir haben gekämpft, aber nach einem halben Jahr hatten wir das Lager vollgepackt mit allen Rohmaterialen, die auszufallen drohten“, ist er heute erleichtert. Zuvor konnten manche Produkte mitunter nicht ausgeliefert werden, weil das Unternehmen monatelang auf ein Kabel warten musste. Peplau: „Aber ab dem Punkt lief das, die Maßnahme mit der Bevorratung war einer der besten Entscheidungen.“

Landwehr + Schultz Trafo GmbH wurde 1976 gegründet

Dabei konnte der Jungunternehmer davon profitieren, dass durch die ehemalige Größe des Unternehmens sehr hohe Lagerkapazitäten bereits vorhanden waren und nicht erst noch geschaffen werden mussten. Was ihn noch einmal zur Geschichte des Betriebes führt: Die Landwehr + Schultz Trafo GmbH wurde 1976 aus der Landwehr + Schultz in Kassel herausgegründet, weil es durch verschiedene Faktoren wie Halogenbeleuchtung und Heizungsbau immer mehr Bedarf an Netzteilen und Industrie Trafos gab. „Dadurch gab es hier früher mal über 100 Mitarbeiter“, erzählt er.

Dann aber sei etwas weniger in die Entwicklung gesteckt worden, die Innovationskraft habe nachgelassen. „Gerade in der Elektrotechnik aber darf man nicht stehenbleiben“, Peplau: „Wenn du das tust, ist das kein Stehenbleiben, sondern ein Rückschritt. Deswegen setzen wir alles in Bewegung, um mit unseren Kunden neue Spezialtransformatoren und medizinische induktive Bauteile zu entwickeln.“

Zudem sei die Altersstruktur des Unternehmens vor der Übernahme schwierig gewesen: „Beim Blick in die Zukunft, bei langfristigen Verträgen brauchten die Kunden mehr Sicherheit, wie das Unternehmen weitergeführt wird.“

Produktentwicklung: Chancen in neuen Märkten

Die haben sie nun mit Peplau, der seit sieben Jahren in Kassel lebt und sich neben dem Kernmarkt – Sicherheitstransformatoren und induktive Teile – auch neuen Produkten widmet. Die sieht der Geschäftsführer vor allem im Markt erneuerbarer Energien oder der Industrietechnik: „Bei speziellen Wärmepumpen oder Windkraftanlagen gibt es Teile, die höchsten Anforderungen gerecht werden müssen.“ Auch Prüfgeräte seien ein Zukunftsmarkt, sagt er und ergänzt: „L+S wird nie ein Massenhersteller sein, das wäre ein ganz anderes Konzept. Wir sind gern auch eine Nummer kleiner, dafür aber spezieller.“

Wachsen will Peplau auch bei der Belegschaft. In einem ersten Schritt will er mit Werksstudenten arbeiten, ihnen Projekte ermöglichen. Perspektivisch soll die Landwehr + Schultz Trafo GmbH auch wieder Ausbildungsbetrieb werden. Seinen Fachkräftebedarf habe er bisher über das interne Netzwerk decken können: „Über Kontakte der langjährigen Belegschaft konnten wir drei neue Mitarbeiter einstellen.“ Außerdem setzt Peplau auf Weiterbildung, durch die er personelle Engpässe in bestimmten Bereichen, für die zuvor nur eine Person zuständig war, ausräumen konnte.

Die Handschrift des Unternehmers zeigt sich aber auch noch in ganz anderen Bereichen: Als eine der ersten Amtshandlungen wurde im vergangenen Jahr die Beleuchtung komplett auf LED umgestellt. Außerdem wurden Computer und auch die Servertechnik auf den neuesten Stand gebracht. Ein Change-Prozess, bei dem auch die Mitarbeiter mitgenommen wurden – ohne sie zu überfordern. „Und diesen Weg gehen wir weiter“, sagt Daniel Peplau, „Schritt für Schritt.“

Jens Nähler
Jens Nähler

Leiter der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit im HAUS DER ARBEITGEBERVERBÄNDE NORDHESSEN und Geschäftsführer SCHULEWIRTSCHAFT Nordhessen.
Telefon: 0561 1091-322
Mobil: 0175 3289031
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