In Nordhessen gibt es 91.010 geringfügige Beschäftigungsverhältnisse. Bis zu 69.000 davon sieht die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) gefährdet, wenn der Bund den steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus der Minijobs abschafft. Grundlage ist eine regionale Auswertung von Daten der Bundesagentur für Arbeit. Die VhU Nordhessen fordert die Bundesregierung auf, den Sonderstatus zu erhalten.
Die Alterssicherungskommission hatte ihren Abschlussbericht Ende Juni vorgelegt. Eine Empfehlung sieht vor, Minijobs ohne Befreiungsmöglichkeit in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen und ihren steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus abzuschaffen. Ausnahmen soll es allein für Schülerinnen und Schüler geben. Der Koalitionsausschuss hat angekündigt, die Empfehlungen vollständig und zügig umzusetzen. Die konkrete Ausgestaltung der Minijobregel soll über die Sommerpause hinweg bis in den Herbst erfolgen. Ziel ist, das Gesetzgebungsverfahren bis Ende 2026 abzuschließen.
„Minijobs sind eines der wenigen flexiblen Instrumente unseres Arbeitsmarkts. Die Bundesregierung sollte sie nicht durch zusätzliche Steuern und Sozialabgaben unattraktiv machen. Gerade für Menschen, die nur wenige Stunden arbeiten können oder wollen, muss sich legale Beschäftigung lohnen“, sagt Coralie Zilch, Geschäftsführerin der VhU Nordhessen.
Die regionale Auswertung umfasst die Stadt Kassel sowie die Landkreise Kassel, Hersfeld-Rotenburg, Schwalm-Eder, Waldeck-Frankenberg und Werra-Meißner. Die VhU zählt 68.934 Beschäftigungsverhältnisse oder rund 76 Prozent der Minijobs in dieser Region zu den gefährdeten Arbeitsverhältnissen. Den größten Teil stellen 39.490 Minijobs im Nebenerwerb. Grundlage sind Daten der Bundesagentur für Arbeit mit Stand Dezember 2025 und eigene Berechnungen der VhU.
Da die Statistik Schülerinnen und Schüler innerhalb der Gruppe der unter 25-Jährigen nicht gesondert ausweist, beschreibt die Zahl von 68.934 Beschäftigungsverhältnissen das potenzielle Maximum.
„Diese Menschen stehen nicht ohne Weiteres als zusätzliche Vollzeitkräfte zur Verfügung. Viele arbeiten bereits in einem Hauptberuf, befinden sich in Ausbildung oder Studium oder haben die Regelaltersgrenze erreicht. Wer den Sonderstatus abschafft, gewinnt deshalb nicht automatisch Vollzeitbeschäftigte, sondern riskiert, dass legale Arbeit wegfällt oder in die Schwarzarbeit abwandert“, erklärt Zilch.
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