Nordhessens Unternehmen fühlen sich für Krisen gut gerüstet – zumindest kurzfristig: 89 Prozent bewerten ihre interne Entscheidungs- und Reaktionsfähigkeit als stark. Das zeigt eine Sonderauswertung für nordhessische Unternehmen aus einer hessenweiten Befragung durch die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU). Bei der Vorsorge hakt es dagegen: Nur jedes zweite Unternehmen hat einen Krisenplan – und selbst dort wurde erst die Hälfte der Pläne auch praktisch getestet.
„Nordhessens Unternehmen zeigen Stärke, wo es in einer Krise auf Tempo und Führung ankommt. Resilienz erfordert jedoch auch Vorsorge: Krisenpläne müssen aktuell sein, klare Zuständigkeiten benennen und praktisch erprobt werden“, sagt Coralie Zilch, Geschäftsführerin der VhU Nordhessen.
Krisenpläne aktuell – aber zu selten getestet
Im Vorhandensein eines Krisenplans liegen die nordhessischen Unternehmen über dem hessischen Durchschnitt von 44,9 Prozent. Klar ist dort, wo ein Plan existiert, meist auch, wer im Ernstfall zuständig ist – nur an der praktischen Erprobung hapert es, wie eingangs beschrieben, ähnlich stark wie in der hessischen Gesamtstichprobe.
Am zurückhaltendsten fällt die Selbsteinschätzung bei Lieferketten aus: Nur 44,3 Prozent sehen ihr Unternehmen hier als sehr oder eher resilient aufgestellt, bei der Logistik sind es 49,2 Prozent – der größte Rückstand gegenüber dem hessischen Durchschnitt (minus 10,6 Prozentpunkte). Auch Energieversorgung, Personalsicherstellung und Cyber-Security bewerten die Unternehmen eher verhalten. Der offen genannte Informationsbedarf in der hessischen Gesamtbefragung konzentriert sich denn auch vor allem auf diese Felder.
Lieferketten und Logistik bleiben verwundbar
„Lieferketten, Logistik, Energieversorgung und Cyber-Security bleiben die anspruchsvollsten Felder – hier wollen wir den Erfahrungsaustausch zwischen unseren Mitgliedsunternehmen stärken und unsere Angebote noch gezielter an den Bedarfen ausrichten. Entscheidend ist, aus dem Stimmungsbild konkrete Vorsorge abzuleiten: Risiken priorisieren, Abläufe testen, Verantwortliche handlungsfähig machen“, so Zilch.
Über die drei zentralen Befunde hinaus zeigt die Befragung auch Stärken: Standortsicherheit sowie Liquidität und Finanzierungssicherung bewerten die UNH-Unternehmen mehrheitlich positiv. Am deutlichsten fällt der Vorsprung bei der Anpassungsfähigkeit an Marktveränderungen aus – hier die nordhessischen Unternehmen gut zehn Prozentpunkte über dem hessischen Durchschnitt.
Zur Befragung
Die standardisierte Online-Befragung zur Krisenresilienz hessischer Unternehmen wurde von der IW Consult GmbH im Auftrag der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e. V. (VhU) durchgeführt. Der Erhebungszeitraum reichte von Anfang April bis Ende Mai 2026. Hessenweit beteiligten sich rund 500 Unternehmen aktiv, für Nordhessen wurden 164 Rückmeldungen ausgewertet. Je nach Frage variiert die Fallzahl; die Ergebnisse sind als Stimmungsbild der teilnehmenden Unternehmen zu verstehen.
Leiter der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit im HAUS DER ARBEITGEBERVERBÄNDE NORDHESSEN und Geschäftsführer SCHULEWIRTSCHAFT Nordhessen.
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