Was passiert, wenn Unternehmerinnen und Unternehmer ihr Lebenswerk übergeben müssen? Im CEO-Interview spricht Diana Plettenberg über die oft unterschätzte emotionale Seite der Unternehmensnachfolge, über Zweifel, Klarheit und die besondere Rolle von Frauen in Familienunternehmen. Ein Gespräch über Loslassen, Verantwortung und die Frage, wie Übergabe wirklich gelingen kann.
Unternehmensnachfolge: Anstrengender und emotionaler Prozess
Nachfolgeprozesse scheitern selten an Zahlen, sondern häufig an Emotionen. Also Zweifeln, Unsicherheit, inneren Konflikten oder unausgesprochenen Erwartungen. Denn es geht um die wichtigste Entscheidung im Leben eines Unternehmers. Diana Plettenberg begleitet Unternehmerinnen und Unternehmer in der Unternehmensnachfolge – mit dem Fokus auf die mentale und emotionale Vorbereitung und Bereitschaft zum Loslassen des Lebenswerks. Sie unterstützt dabei, emotionale Klarheit für diesen Schritt zu gewinnen, um den Prozess der Nachfolge sicher und stabil zu gestalten und den Weg in eine Zukunft ohne Unternehmen zu gehen und dabei wirklich zufrieden und ausgeglichen zu sein.
Liebe Frau Plettenberg, seit wann besteht das Unternehmen, wie viele Mitarbeitende beschäftigen Sie, und was bietet Ihre Firma?
Nach dem Verkauf unseres Familienunternehmens habe ich als Beraterin und Mentorin neu gegründet. Mit meiner Erfahrung nach 30 Jahren Unternehmertum und unserem eigenen Unternehmensverkaufes, gebe ich als Mentorin dieses Wissen weiter – inklusiver aller erlebter Höhen und Tiefen. Als Sparringspartnerin begleite ich vom ersten Gedanken bis zur finalen Freiheit ohne Unternehmen.
Als Vertrauenspartnerin beantworte ich die genau die Fragen, die häufig ungefragt bleiben. Wenn Zweifel und Unsicherheit groß und Gespräche schwierig werden, bin ich da, um zu unterstützen. Denn, wenn Klarheit und Sicherheit im Inneren herrscht, dann fällt es leicht, Entscheidungen zu treffen und den sehr anstrengenden Prozess mit emotionaler Stabilität zu durchleben.
Gerade die Frau an der Seite des Unternehmers liegt mir besonders am Herzen. Sie hat häufig über Jahre mit aufgebaut, im Unternehmen und in der Familie gewirkt. Oft ist sie die gute Seele und die wichtigste Beraterin. Trotzdem wird sie zu wenig „mitgenommen“.
Ich arbeite alleine, um maximal flexibel zu sein.

Verkaufsprozess fachlich, persönlich und mental anstrengend
Wie war Ihr bisheriger Werdegang?
Ich habe mit meinem Mann zusammen sein Familienunternehmen in dritter Generation als Einzelhandel übernommen und daraus ein weltweit erfolgreiches technologisch führendes Unternehmen aufgebaut. Die Plettenberg Elektromotoren GmbH & Co wurde als TOP 100 Innovationsunternehmen ausgezeichnet. Unsere Kinder haben sich dazu entschieden, einen anderen Lebensweg zu gehen und so haben wir das Unternehmen verkauft.
Dabei habe ich selbst erlebt, wie anspruchsvoll der gesamte Verkaufsprozess ist. Sowohl fachlich, als auch persönlich und mental. Schon während des Prozesses habe ich mich z.B. zur psychologischen und systemischen Coachin weitergebildet, um unseren eigenen Übergang optimal zu gestalten.
Heute verbinde ich diese Ausbildungen mit meinen Erfahrungen als Unternehmerin und Unternehmensverkäuferin. So kann ich heutige Abgeber optimal begleiten, um den Nachfolgeprozess effektiv und mental stabil zu gestalten.
Was schätzen Sie daran, Geschäftsführer zu sein?
Ich schätze meine unglaubliche Freiheit und den Gestaltungsspielraum.
Energie auftanken in der Freizeit
Wie viel Freizeit haben Sie und was machen Sie damit?
Wie viel Freizeit ich habe, ist sehr unterschiedlich und dem Stand des jeweiligen Prozesses geschuldet, den ich gerade begleite. Da kann es manchmal ganz schön intensiv sein.
Deshalb nehme mir ganz bewusst meinen Freiraum, um meine Energie aufzutanken. An erster Stelle steht natürlich meine Familie mit meinen erwachsenen Kindern und den leider schon sehr betagten Eltern. Ich pflege wenige, enge Freundschaften, habe vielfältigste Interessen und erfülle einige Ehrenämter.
So bin ich z.B. als ehrenamtlicher Coach im Gründerwettbewerb Nordhessen engagiert und bin in unserer Gemeinde Kirchenvorständin.
Zu Hause habe ich einen großen Garten und ich treibe regelmäßig Sport. Ich beschäftige mich gerne mit Gesundheitsthemen. Besonders ausgewogene Ernährung ist mir sehr wichtig.
Ich liebe Kunst und Kultur und natürlich das Reisen an ungewöhnliche Orte dieser Welt. Besonders gerne in unserem Wohnmobil. Im Herbst reisen wir mit unserem Expeditionswohnmobil in die Wüste von Algerien.

Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für unsere Region und haben Sie Lösungsansätze?
Die größten Herausforderungen in der Region sind sehr vielschichtig. In meinem Bereich Nachfolge sehe ich natürlich die vielen Unternehmen, die in den nächsten Jahren zur Übergabe anstehen. Nach meiner Erfahrung wird der Prozess häufig zu spät begonnen und viele Unternehmer verfallen in eine Art Investitionsstarre, wenn sie sich mit dem Thema Verkauf beschäftigen. Das größte Risiko ist es, sich selbst und das Unternehmen nicht lange und intensiv genug auf eine Übergabe vorzubereiten. Denn nur zukunftsfähige Unternehmen werden eine Chance haben, weitergeführt zu werden. Gerade in unserer ländlichen Region tut jedes Unternehmen weh, welches geschlossen werden muss.
Bei Nachfolge auf Qualität und Erfahrung der Berater und Begleiter achten
Was konkret unternehmen Sie gegen den Fachkräftemangel?
Ich arbeite nicht direkt im Recruiting, sehe aber einen wichtigen Hebel in stabilen Unternehmensübergängen. Wenn Nachfolgeprozesse gut gelingen, bleiben Unternehmen handlungsfähig, attraktiv und zukunftsfähig – das ist eine zentrale Voraussetzung, um Fachkräfte zu halten und zu gewinnen.
Welchen Trend beobachten Sie in Ihrer Branche?
Die Wichtigkeit und Bedeutung der Nachfolge wird deutlich sichtbarer. Immer mehr Berater nehmen sich dem Thema an. Nachfolge als solches ist inzwischen ein Trendthema. Da ist es wichtig, die Spreu vom Weizen zu trennen und auf die Qualität und Erfahrung der Berater und Begleiter zu achten.
Die Rolle der Frau im Unternehmertum
Welche Frage haben wir Ihnen nicht gestellt, die Sie gern beantworten würden?
Die Frage: Welche Rolle spielen Frauen im Unternehmertum und insbesondere in der Nachfolge?
Frauen spielen im Unternehmertum oft eine größere Rolle, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Zum Glück streben heute vermehrt junge Frauen ins Unternehmertum und sind damit sehr erfolgreich.
Doch gerade in der aktuell abgebenden Generation stehen die Frauen häufig in der zweiten Reihe hinter dem Unternehmer. Und das, obwohl sie gerade in Familienunternehmen über Jahre Verantwortung tragen – im Unternehmen, in der Familie und in der Stabilität des gesamten Systems. Sie sind oft die wichtigste Sparringspartnerin und emotionale Konstante. Das Unternehmen ist auch ihr Lebenswerk.
Doch der Fokus liegt meist auf dem „offensichtlichen“ Entscheider.
In Nachfolgeprozessen wird die Frau des Unternehmers und ihre Rolle oft unterschätzt oder nicht aktiv einbezogen. Dabei zeigt die Praxis, dass viele Entscheidungen nicht allein im Verhandlungsraum entstehen, sondern zu Hause am Küchentisch. Es ist wichtig, dass beide die Entscheidung tragen, denn es geht um ihre Zukunft und ihre Beziehung zueinander.
Mir ist es ein besonderes Anliegen, auch und gerade die Frauen im Prozess der Nachfolge zu stärken und zu unterstützen. Damit die Übergabe gelingt und das Lebenswerk gesichert ist.

Liebe Frau Plettenberg, herzlichen Dank für das Gespräch.
Abteilung Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit im HAUS DER ARBEITGEBERVERBÄNDE NORDHESSEN. Sie wollen eine Nachricht aus Ihrem Unternehmen bei uns veröffentlichen? Schreiben Sie uns gern eine E-Mail.







