Wie können nordhessische Unternehmen internationale Studierende frühzeitig für sich gewinnen – und was braucht es, damit aus einem erfolgreichen Matching eine gute Zusammenarbeit im Betrieb wird? Ein Pilotprojekt von Universität Kassel, der IQ Servicestelle beim VSB Nordhessen und HESSENMETALL Nordhessen erprobt genau das derzeit gemeinsam mit der sera GmbH in Immenhausen.
Mehr als 3.300 internationale Studierende sind an der Universität Kassel eingeschrieben. Viele von ihnen möchten nach ihrem Abschluss in Deutschland bleiben. Gleichzeitig suchen Unternehmen in Nordhessen qualifizierte Fachkräfte. Ein gemeinsames Pilotprojekt bringt beide Seiten frühzeitig zusammen. Seit Anfang August arbeitet Madiha Siddiqui, Masterstudentin an der Universität Kassel, im Personalbereich der sera GmbH in Immenhausen. Nach rund sechs Wochen haben die Beteiligten eine erste Zwischenbilanz gezogen.
Internationale Talente frühzeitig für die Region gewinnen
Madiha Siddiqui hat in Pakistan studiert und Berufserfahrung gesammelt, in Kassel belegt sie den Masterstudiengang Economic Behavior and Governance. Bei sera arbeitet sie mit dem Recruiting-Team zusammen und entwickelt ein Vorauswahlverfahren für ein internationales Trainee-Programm. Anstrengend waren die ersten Wochen trotzdem: die deutsche Sprache im Berufsalltag, unbekannte Abläufe, ein anderer Umgang mit Hierarchien. Nachfragen, Nein sagen, Fehler zulassen – vieles musste sie vor anderem kulturellem Hintergrund neu einordnen. „Es wäre gut gewesen, vorher zu wissen, dass gerade die ersten Wochen anstrengend sein können – und dass das ganz normal ist“, sagt Siddiqui. „Inzwischen fühle ich mich angekommen, alle sind super nett.“
Gute Integration ist keine Einbahnstraße
Doch nicht nur internationale Mitarbeitende müssen sich auf ein neues Arbeitsumfeld einstellen. Auch für bestehende Teams bedeutet die Zusammenarbeit, Gewohnheiten zu hinterfragen und sich auf unterschiedliche kulturelle Prägungen einzulassen.
Andrea Rivero Ascanio, die Siddiqui bei sera begleitet und selbst aus Spanien stammt, beschreibt die ersten Wochen so: „Sie lernt schnell und ist sehr engagiert. Gerade am Anfang mussten wir uns alle erst aufeinander einstellen. Aber wenn man offen miteinander umgeht, nachfragt und auch mal zusammen lacht, führt das schnell zu einer guten Zusammenarbeit.“
Genau diese Erfahrungen sind ein zentraler Bestandteil des Pilotprojekts. Denn erfolgreiches internationales Recruiting besteht nicht allein darin, Unternehmen und Talente zusammenzubringen. Entscheidend ist ebenso, wie das Ankommen und die Zusammenarbeit im betrieblichen Alltag gestaltet werden.
„Internationales Recruiting endet nicht mit einem erfolgreichen Matching“, sagt Sandra Wilhelm, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Nachwuchsmarketing und Hochschulkooperationen bei HESSENMETALL Nordhessen. „Entscheidend ist, was anschließend im betrieblichen Alltag passiert.“
Unterstützung für nordhessische Unternehmen
Die Partner bringen dafür unterschiedliche Kompetenzen zusammen: Die Universität Kassel schafft über ihr Programm Promote your Career den Zugang zu internationalen Studierenden. Die IQ Servicestelle Nordhessen des VSB e.V.. unterstützt insbesondere kleine und mittlere Unternehmen, HESSENMETALL Nordhessen bringt interessierte Betriebe aus der Region in das Projekt ein. Im Oktober ist bei sera zudem ein interkulturelles Training für die bestehenden Teams mit dem VSB e.V. vorgesehen.
Auch bei sera zeigt sich bereits, wie wichtig dieser ganzheitliche Ansatz ist. „Wir merken in der Praxis, wie wichtig es ist, nicht nur die neuen Mitarbeitenden, sondern auch die bestehenden Teams auf die Zusammenarbeit vorzubereiten“, sagen Jennifer Fast und Jasmin Katrina aus dem HR-Team der sera GmbH. „Genau dafür liefert uns das Pilotprojekt wertvolle Erfahrungen.“
Damit soll das Projekt nicht bei einem einzelnen Praxisbeispiel bleiben. Die gewonnenen Erfahrungen können künftig auch anderen nordhessischen Unternehmen helfen, internationale Studierende und Absolventinnen und Absolventen erfolgreicher anzusprechen, für die Region zu gewinnen und langfristig in die Betriebe zu integrieren.
Sie haben Interesse am Projekt und an den Unterstützungsangeboten?
Anfang November 2026 stellen die Partner das Pilotprojekt und die Möglichkeiten der Unterstützung an der Universität Kassel vor. Interessierte Unternehmen können sich bei Joslyn Petri, UniKasselTransfer Career Service, melden: joslyn.petri@uni-kassel.de.
Referentin Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit im HAUS DER ARBEITGEBERVERBÄNDE NORDHESSEN.
Telefon: 0561 1091-326
Mobil: 0160 6729040
E-Mail







