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Architekt Thomas Meyer: „Wir brauchen Bau-Kompetenzzentren in Nordhessen“

22. Sep 2022

Thomas Meyer, Geschäftsführer der KM architekten bda, Kassel: »Was nicht angefangen ist, wird niemals fertig werden.«

„Wenn Nordhessen dauerhaft wahrgenommen werden will, muss es sich stärker zusammenschließen“, sagt Thomas Meyer, Geschäftsführer des Unternehmens KM architekten bda in Kassel.

In unserer Serie „CEO im Interview“ beantwortet er sieben Fragen – persönlich, authentisch und unterhaltsam.

Herr Meyer, seit wann besteht Ihr Unternehmen, wie viele Mitarbeitende beschäftigen Sie und was bietet das Unternehmen?

1999 habe ich mich mit meinem Geschäftspartner Keivan Karampour als KM architekten bda in Ahnatal selbständig gemacht. Zunächst mit nur einer Mitarbeiterin. Dann ist fast jedes Jahr ein neuer Mitarbeiter hinzugekommen. Im Jahr 2012 konnten wir mit Herrn Dipl.-Ing. Marc Köhler, einen jungen Kollegen, als Partner hinzugewinnen. Aktuell arbeiten in unserem neuen Büro im ehemaligen Hallenbad Ost in Kassel rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Wir planen Hochbauprojekte wie Schulen, Kindergärten, Sporthallen, Rathäuser, Bürogebäude, Kirchen, Gemeindehäuser, vorwiegend im Umbau- und Sanierungsbereich aber auch zu ca. 1/3 im Neubaubereich. Unsere Bauvorhaben entstehen dabei im Wesentlichen bis ca. 200 km rund um Kassel, mittlerweile aber auch im Ausland. Am interessantesten sind oft Bauvorhaben, mit denen man sich zuvor noch nie beschäftigt hat. Hier muss man viel tiefer einsteigen, als bei den Bauvorhaben, bei denen bereits zahlreiche Erfahrungen vorliegen. Aus unserer Sicht bringen aber gerade diese Bauvorhaben für den Bauherren oftmals den größten Gewinn, weil wir unbelasteter und damit auch kreativer an neue Aufgaben herangehen.

Wie sind Sie zum Geschäftsführer geworden?

Nach verschiedenen Stationen in Leitungspositionen als angestellter Architekt stand ich vor der Frage, welche Möglichkeiten für die Zukunft bestehen könnten. Mein alter Studienfreund Keivan Karampour hatte sich ein Jahr zuvor selbstständig gemacht und schlug daher vor, den zukünftigen Weg gemeinsam zu gehen. Wir kannten uns gut. Daher fiel mir die Entscheidung leicht. Trotz vieler auch kritischer Situationen habe ich die Entscheidung nie bereut.

Was schätzen Sie daran, Geschäftsführer zu sein?

An erster Stelle mit großem Abstand – die Möglichkeit, selbst zu gestalten. Als weitere Gründe könnte ich nennen, dass die Möglichkeit, sein Leben selbstständig zu organisieren, selbstbewusst macht oder, dass ich meine Zeit selbst einteilen kann, dass ich keinen Chef „ertragen“ muss, aber das alles steht weit hinter der Genugtuung ein gutes Gebäude gestaltet zu haben (gelingt auch nicht immer) zurück.

Wie viel Freizeit haben Sie und was machen Sie damit?

Die Freizeit ist sicher begrenzt. Ich bin verheiratet und habe drei Kinder. Darüber hinaus fahre ich leidenschaftlich Mountain-Bike und spiele Gitarre.

Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für unsere Region und haben Sie Lösungsansätze?

Wir bauen viel für öffentliche Auftraggeber. Aufgrund der immer komplexer werdenden Förderprogramme und Managementanforderungen für öffentliche Bauvorhaben sind gerade kleine Kommunen nicht mehr in der Lage, ihre Bauvorhaben in einer angemessenen Art zu beantragen und zu managen. Es fehlt nicht an gutem Willen, wohl aber an Personal wie auch der erforderlichen sehr speziellen Fachkenntnisse.

Daher sollten gerade für diese Anforderungen Kompetenzzentren, z. B. in den Landkreisen, eingerichtet werden, wo gebündelt diese Aufgaben qualifiziert wahrgenommen werden können. Das „Weiter so“ schafft eine zunehmende Benachteiligung gerade des ländlichen Raums in dem Wettbewerb um eine gute bauliche Infrastruktur mit Sporthallen, Schulen und Kindergärten.

Zudem stellt die Überwindung unserer auch ansonsten sehr kleinteiligen Verwaltungsstrukturen eine große Herausforderung dar. Wenn Nordhessen dauerhaft wahrgenommen werden will, muss es sich stärker zusammenschließen. Dazu gehört dann vielleicht auch eine stärkere Kooperation mit Südniedersachsen. Nur auf den eigenen Kirchturm beschränkte Entscheidungen bremsen eine gemeinsame Entwicklung in der Mitte Deutschlands oft aus und schwächen die Vorteile, die unsere Region bietet. Als konkrete Aufgaben sehe ich hier zuallererst die Weiterentwicklung der Infrastruktur in den Bereichen Universität, Verkehr und Tourismus, die Steigerung der Attraktivität der Stadt Kassel, um auch für die Unternehmensgründer und Hochqualifizierten ein interessantes Ziel zu sein und die schone lange fällige Regionalreform. Aber auch der Umbau der Infrastruktur und der Städte im Sinne der Attraktivität für junge Fachkräfte (Fahrradinfrastruktur, Lebensqualität, Freizeitangebot etc.) stellt eine große Aufgabe dar. Gerade hier können die Planungsberufe einen wichtigen Beitrag leisten, wenn man uns lässt.

Warum sind Sie Mitglied im UNH geworden und was schätzen Sie besonders am UNH?

Dazu gibt es mehrere Gründe: Oftmals bewegen sich Unternehmen nur im Dunstkreis des eigenen Aufgabenbereichs. Wir sind neben der Mitgliedschaft im UNH auch berufsständig organisiert – über die Architektenkammer und über den BDA (Bund Deutscher Architekten). Spannend werden Kontakte, wenn sie über die Grenzen des eigenen beruflichen Handelns hinausgehen. Zu verstehen, wie andere Unternehmer „ticken“, wo deren Schwerpunkte liegen, und wie sich Arbeitsweisen grundlegend unterscheiden, bringt auch für uns eine veränderte Sicht auf unsere eigene Tätigkeit. Darüber hinaus: gemeinsame Interessen verbinden. Das Haus der Arbeitgeberverbände ist eine hervorragend organisierte Plattform, die viele unterschiedliche Bereiche (z. B. Rechtsberatung, Unternehmernetzwerk oder auch Fortbildungsangebote) mit einschließt.

Wenn man die anfängliche Befangenheit überwunden hat, stellt man fest, dass im Haus der Arbeitgeberverbände ein sehr unkomplizierter, aber auch verbindlicher Ton herrscht. Nach meiner Erfahrung sind der UNH, aber auch die darin vertretenen Unternehmer sehr viel offener gegenüber Innovationen und Veränderungen als man das gemeinhin glaubt. Und dabei geht es nicht nur um Veränderungen, die sich auf eine Optimierung der eigenen Prozesse bezieht, sondern auch um ganz allgemeine gesellschaftliche Themen. Darüber hinaus gibt es bei vielen Fragen vorbildliche Unterstützung durch die Rechtsabteilung, die Presseabteilung oder das Bildungswerk des VSB. Der UNH selbst ist ein gut funktionierendes wachsendes Netzwerk nordhessischer Unternehmer. Hier gibt es sicher noch viel Potential zu heben, aber wir sind dank der guten Zusammenarbeit der Mitglieder und innerhalb des Vorstands auf einem guten Weg.

Wie könnte man Ihrer Meinung nach den Unternehmergeist bei Jugendlichen wecken?

Viele Jugendliche haben keine Vorstellung von der Arbeitswelt und erst recht keine Vorstellung, was es heißt, Unternehmer zu sein. Dabei sind gerade Jugendliche diejenigen, die stärker als andere ihr Leben ausprobieren wollen, und interessiert sind an neuen Erfahrungen. Ich glaube, hier muss man ansetzen. Aus eigener Erfahrung als Vater weiß ich, wie leicht es eigentlich ist, Kinder und Jugendliche zu begeistern, wenn sie aus ihrem Alltag ausbrechen können, wenn es darum geht, neues zu erleben, selbst etwas zu schaffen oder eine eigene Idee umzusetzen. Programme von SCHULEWIRTSCHAFT geben da positive Beispiele. Daneben spielen natürlich auch die Lehrer eine entscheidende Rolle. Da Lehrer oft ja eher wirtschaftsfern sozialisiert sind, ist hier ein entscheidender Hebel für die Begeisterung von Schülern für das Unternehmertum.
Ich glaube, auch hier könnte man eine ganze Menge bewegen, wenn es gelingen würde, den Abstand der Schule zum Wirtschaftsleben zu verringern und den Austausch zu intensivieren.

Vielen Dank, Herr Meyer!

Pressestelle
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