Was kann ich gut? Welche Aufgaben liegen mir? Arbeite ich gerne mit Zahlen, entwickle ich Ideen, organisiere ich lieber oder kann ich andere Menschen gut von einer Sache überzeugen? Wer Jugendliche bei der Berufswahl unterstützen möchte, sollte ihnen Gelegenheiten geben, genau das herauszufinden. IW JUNIOR Schülerfirmen schaffen dafür einen besonderen Lernraum: Schülerinnen und Schüler gründen ein eigenes Unternehmen und erleben Wirtschaft und Arbeitswelt aus einer Perspektive, die im klassischen Unterricht nur schwer vermittelt werden kann.
Berufsorientierung ist weit mehr als die Information über Ausbildungsberufe und Studiengänge. Junge Menschen müssen sich selbst erproben können. Sie brauchen Situationen, in denen sie Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen, ihre Fähigkeiten einsetzen – und manchmal auch feststellen, dass etwas ganz anders funktioniert als gedacht.
Genau hier setzen IW JUNIOR Schülerfirmen an. Für ein Schuljahr gründen Jugendliche im geschützten schulischen Rahmen ein eigenes Unternehmen. Sie entwickeln eine Geschäftsidee, organisieren die Zusammenarbeit, verteilen Zuständigkeiten und bringen eigene Produkte oder Dienstleistungen auf den Markt. Dabei übernehmen sie feste Aufgaben – beispielsweise in Geschäftsführung, Marketing, Verkauf oder Finanzen.
Was zunächst nach Wirtschaftsunterricht klingt, ist gleichzeitig ein sehr praxisnahes Instrument der beruflichen Orientierung.
Berufsorientierung beginnt mit der Frage: Was liegt mir?
Die Stärke einer Schülerfirma liegt nicht allein darin, wirtschaftliche Zusammenhänge verständlich zu machen. Ihr besonderer Wert entsteht dadurch, dass Jugendliche unterschiedliche Rollen selbst erleben.
Wer übernimmt gerne Verantwortung für ein Team? Wer behält den Überblick, wenn mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigt werden müssen? Wer gestaltet gerne Werbematerialien oder entwickelt eine Social-Media-Idee? Wer kalkuliert Preise, behält Einnahmen und Ausgaben im Blick oder überzeugt Kundinnen und Kunden beim Verkauf?
Im Laufe eines Schuljahres können Schülerinnen und Schüler auf diese Weise Fähigkeiten an sich entdecken, die ihnen vorher vielleicht gar nicht bewusst waren. Und ebenso wichtig: Sie erfahren, welche Tätigkeiten ihnen weniger liegen. Auch das ist Berufsorientierung.
Denn eine fundierte Berufswahl entsteht nicht nur dadurch, möglichst viele Berufe zu kennen. Junge Menschen brauchen ein Verständnis ihrer eigenen Interessen, Kompetenzen und Arbeitsweisen. IW JUNIOR nennt deshalb ausdrücklich die Entwicklung von Interessen und Kompetenzen zur Unterstützung der beruflichen Orientierung als eines der Lernziele der Schülerfirmen. Gleichzeitig werden Schlüsselkompetenzen wie Eigeninitiative, Verantwortungsbewusstsein und Teamfähigkeit gefördert.
Aus Theorie wird Erfahrung
In einer Schülerfirma bleibt Wirtschaft nicht abstrakt. Eine Geschäftsidee muss zunächst andere überzeugen. Materialien müssen beschafft, Preise kalkuliert und Produkte vermarktet werden. Vielleicht funktioniert der erste Verkaufsweg nicht. Vielleicht wird ein Produkt teurer als geplant. Vielleicht gibt es unterschiedliche Vorstellungen im Team darüber, wie es weitergehen soll.
Genau solche Situationen machen das Format wertvoll. Die Jugendlichen müssen Lösungen finden, miteinander kommunizieren, Entscheidungen treffen und deren Konsequenzen erleben. Sie erfahren unmittelbar, dass ein Unternehmen aus vielen unterschiedlichen Aufgaben und Kompetenzen besteht. Das eröffnet auch neue Perspektiven auf die Arbeitswelt: Ein Unternehmen besteht eben nicht nur aus den Berufen, die nach außen besonders sichtbar sind. Hinter einem erfolgreichen Produkt stehen beispielsweise Einkauf, Produktion, Finanzen, Vertrieb, Kommunikation, Logistik und Führung. Eine Schülerfirma bildet diese Zusammenhänge im Kleinen ab.
Damit verbindet IW JUNIOR ökonomische Bildung, Persönlichkeitsentwicklung und berufliche Orientierung. Die Jugendlichen lernen nicht nur etwas über Unternehmen – sie handeln selbst unternehmerisch. Die Produkte werden tatsächlich angeboten, Kundinnen und Kunden angesprochen und reale wirtschaftliche Entscheidungen getroffen.
Mehrwert für Lehrkräfte: Berufsorientierung in den Unterricht holen
Für Schulen stellt sich häufig die Frage, wie berufliche Orientierung kontinuierlich und zugleich praxisnah in den Schulalltag integriert werden kann. Schülerfirmen bieten hier einen Ansatz, der verschiedene Lernbereiche miteinander verbindet. Wirtschaftliche Grundlagen können ebenso aufgegriffen werden wie Kommunikation, Projektmanagement, digitale Kompetenzen oder Fragen rund um Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung.
Gleichzeitig verändert sich die Rolle der Schülerinnen und Schüler: Sie werden von Lernenden zu Handelnden.
Lehrkräfte begleiten diesen Prozess, geben Orientierung und schaffen den organisatorischen Rahmen. IW JUNIOR unterstützt Schulen dabei mit Materialien, digitalen Angeboten und Begleitung bei der Umsetzung. Das Programm ist darauf ausgerichtet, wirtschaftliche Bildung und Berufsorientierung praxisnah in den Schulalltag zu integrieren.
Für Lehrkräfte kann dabei besonders interessant sein, Schülerinnen und Schüler außerhalb klassischer Unterrichtssituationen zu erleben. Jugendliche, die sich im regulären Unterricht eher zurückhalten, übernehmen in einem Projekt möglicherweise plötzlich Verantwortung. Andere entdecken ein Talent für Präsentationen, Organisation oder Kundenkommunikation. So werden Kompetenzen sichtbar, für die Klassenarbeiten und Schulnoten nur begrenzt Auskunft geben können.
Als Lehrkraft können Sie sich vorstellen, mit Ihren Schülerinnen und Schülern eine IW JUNIOR Schülerfirma zu gründen, möchten aber zunächst mehr über Ablauf, Voraussetzungen und Unterstützungsmöglichkeiten erfahren?
IW JUNIOR bietet aktuell Informationstermine für Lehrkräfte an. Dort erfahren Sie, wie eine Schülerfirma aufgebaut wird, wie sich das Projekt in den Schulalltag integrieren lässt und welche Unterstützung Sie bei der Umsetzung erhalten. Selbstverständlich gibt es auch Raum für individuelle Fragen.
→ Aktuelle Informationstermine ansehen und anmelden
Unternehmen können Berufsorientierung aktiv mitgestalten
Besonders wirkungsvoll wird eine Schülerfirma, wenn Schule und Wirtschaft zusammenkommen. Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Fach- und Führungskräfte können sich bei IW JUNIOR als Wirtschaftspatinnen und Wirtschaftspaten engagieren und eine Schülerfirma beratend begleiten.
Ihre Aufgabe besteht nicht darin, den Jugendlichen die Arbeit abzunehmen. Im Gegenteil: Die Schülerinnen und Schüler sollen ihre Entscheidungen selbst treffen und ihre eigenen Erfahrungen sammeln. Wirtschaftspatinnen und -paten können jedoch genau dort unterstützen, wo Erfahrungen aus dem betrieblichen Alltag besonders wertvoll sind: etwa bei Fragen zu Marketing und Kundenansprache, bei Materialbeschaffung und Buchführung, bei organisatorischen Herausforderungen oder durch Einblicke in reale Unternehmensabläufe. Auch eine Betriebsbesichtigung kann Bestandteil der Zusammenarbeit sein.
Für Unternehmen ist dieses Engagement mehr als ein Beitrag zur ökonomischen Bildung. Sie kommen frühzeitig mit jungen Menschen in Kontakt, erhalten Einblicke in deren Ideen und Interessen und können zeigen, was Arbeitswelt heute tatsächlich bedeutet. Gleichzeitig lernen Jugendliche Unternehmerinnen und Unternehmer, Fachkräfte und Ausbildungsbetriebe als konkrete Ansprechpartner kennen. Berufsorientierung wird damit zu einer gemeinsamen Aufgabe von Schule und Wirtschaft.
Berufsorientierung braucht Räume zum Ausprobieren
Praktika, Betriebserkundungen, Gespräche mit Auszubildenden, Ausbildungsmessen und Schülerfirmen erfüllen jeweils unterschiedliche Funktionen in der beruflichen Orientierung. Entscheidend ist, dass Jugendliche Arbeitswelt nicht ausschließlich erklärt bekommen, sondern selbst Erfahrungen sammeln können. Eine IW JUNIOR Schülerfirma schafft dafür einen besonderen Raum. Die Jugendlichen erleben über einen längeren Zeitraum, was es bedeutet, gemeinsam ein Ziel zu verfolgen. Sie lernen, mit Erfolg und Misserfolg umzugehen. Sie müssen kommunizieren, organisieren, rechnen, präsentieren und Verantwortung übernehmen.
Und am Ende steht möglicherweise eine Erkenntnis, die für die weitere Berufsorientierung entscheidend ist:
„Das kann ich. Das macht mir Spaß. Davon möchte ich mehr erfahren.“
Oder genauso wertvoll:
„Das ist nicht meine Stärke – etwas anderes passt besser zu mir.“
Beides bringt junge Menschen bei ihrer Berufswahl weiter.
Schule und Wirtschaft gemeinsam
Praktische Berufsorientierung gelingt besonders dort, wo Schulen und Unternehmen ihre jeweiligen Stärken zusammenbringen. IW JUNIOR schafft dafür einen Rahmen, in dem Jugendliche wirtschaftliches Handeln nicht nur kennenlernen, sondern selbst erleben.
Für Lehrkräfte: Eine IW JUNIOR Schülerfirma bietet die Möglichkeit, Berufsorientierung, wirtschaftliche Bildung und die Förderung persönlicher Kompetenzen über einen längeren Zeitraum miteinander zu verbinden. Wer das Konzept kennenlernen möchte, kann sich bei einem der aktuellen Informationstermine über Ablauf und Umsetzung informieren.
Für Unternehmen: Als Wirtschaftspatin oder Wirtschaftspate können Sie Ihr Praxiswissen weitergeben, jungen Menschen Einblicke in die Arbeitswelt ermöglichen und gleichzeitig einen konkreten Beitrag zur Nachwuchsförderung in Nordhessen leisten.
SCHULEWIRTSCHAFT Nordhessen und der Unternehmerverband Nordhessen unterstützen das Ziel, Schule und Wirtschaft miteinander ins Gespräch zu bringen und jungen Menschen praxisnahe Erfahrungen zu ermöglichen.
Denn gute Berufsorientierung entsteht dort, wo Jugendliche nicht nur erfahren, welche Möglichkeiten es gibt – sondern selbst herausfinden können, was in ihnen steckt.
Hessenweite Förderung
Die Ausrichtung des Wettbewerbs erfolgte mit der Unterstützung des Unternehmerverbands Nordhessen, der IHK Kassel-Marburg und der Handwerkskammer Kassel. Des Weiteren werden die IW JUNIOR Schülerfirmen in Hessen unterstützt von der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), dem Arbeitgeberverband Chemie und verwandte Industrien für das Land Hessen (HessenChemie), dem Verband der Metall- und Elektro-Unternehmen Hessen (HESSENMETALL), dem Hessischen Industrie und Handelskammertag, der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern sowie SCHULEWIRTSCHAFT Hessen.
2026 fand das Finale im hessischen Landeswettbewerb in Kassel statt.
Mehr Informationen zu IW JUNIOR.
Referentin Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit im HAUS DER ARBEITGEBERVERBÄNDE NORDHESSEN.
Telefon: 0561 1091-326
Mobil: 0160 6729040
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