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Michael Gribner

Fragen an den Unternehmer: Michael Gribner

Fragen an den Unternehmer: Michael Gribner

Das Format "Fragen an den Unternehmer" hat zum Ziel, Unternehmer mit Ihren Unternehmen vorzustellen. Auf acht Fragen werden Antworten auf wesentliche Einstellungen und Meinungen gegeben; persönlich, authentisch und unterhaltsam. An der Reihe, die sich im Abstand von zwei Monaten fortsetzt, können alle UNH-Mitglieder teilnehmen. Heute setzen wir die Reihe fort mit dem UNH-Mitglied Rotes Kreuz Krankenhaus Kassel.

Herr Gribner, seit wann besteht Ihr Unternehmen, wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie und was bietet das Unternehmen? 

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Foto: Axel Sauerwein Michael Gribner, Geschäftsführer, Rotes Kreuz Krankenhaus Kassel Gemeinnützige GmbH, Kassel

Das Rote Kreuz Krankenhaus Kassel, in der hiesigen ‘‘Gesundheits-Welt‘‘ kurz aber liebevoll RKH genannt, wurde im Oktober 1875 gegründet. Damals noch in der Frankfurter Straße, bezog man 1882 einen Neubau am Königstor der allerdings auch nach kurzer Zeit wieder viel zu klein war, sodass das RKH 1908 erneut, an seinen jetzigen Standort, Hansteinstraße 29 umziehen musste. Dafür wurde ein für seine Zeit hochmoderner Neubau, seinerzeit noch vor den Toren der Stadt auf freier Fläche, errichtet. Das RKH beschäftigt heute zusammen mit der DRK Schwesternschaft Kassel in Voll- und Teilzeit ca. 700 Mitarbeiter in sieben Kliniken und zwei interdisziplinären Zentren.

Was das RKH bietet, ist eigentlich ganz leicht, weil jeder sich unter Krankenhaus etwas vorstellen kann; dennoch ist es bei genaueren Hinsehen doch furchtbar kompliziert. Wir sind ein Krankenhaus, das, neben der Basis-Versorgung, hochspezialisierte Angebote in den Kliniken vorhält, die zum Teil in der Region ein Alleinstellungsmerkmal haben. Hier seien beispielhaft die Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, die Klinik für Schmerzmedizin oder auch der Palliativ-Bereich in der Medizinischen Klinik genannt. Allen ist das RKH sicherlich insbesondere auch als Notfallkrankenhaus für die Region Kassel und als Standort des Rettungshubschraubers Christoph 7 bekannt. Neben der medizinischen Leistung wird aber auch alles andere von Technik bis Verpflegung, dazu was Patienten, Besucher und Mitarbeiter rund um den Tag brauchen, abgedeckt. Weiterhin ist das RKH auch ein großer Ausbildungsbetrieb sowohl für angehende Ärzte, Pflegende, aber auch im kaufmännischen, medizinisch-technischen und allgemein technischen Bereich.

Wie sind Sie zum Geschäftsführer geworden?

Ursprünglich habe ich einmal Hotelkaufmann gelernt und mir eigentlich nie vorstellen können, jemals im Krankenhaus zu arbeiten. Über Stationen in Hamburg, Hildesheim und Frankfurt kam ich dann im April 1998 als Geschäftsführer nach Kassel. Gereizt hat mich immer soziales Engagement mit wirtschaftlichem Know-how zu verbinden und eigene Ideen, die vor allem mehr Dienstleistung und Lebensqualität, für unsere Patienten ermöglichen, umzusetzen. Leider ist gerade dieses in den letzten Jahren, wo ein Spar-Programm das Nächste abgelöst hat und der Gesundheitssektor heute finanziell geradezu notleidend ist, kaum noch möglich. Aber wir versuchen mit diesen Zwängen besser klarzukommen als andere und dieses ist wieder die Aufgabe eines Geschäftsführers.

Was schätzen Sie daran Geschäftsführer zu sein? 

Das Meiste habe ich eben schon verraten. Darüber hinaus ist es aber vor allem die Möglichkeit der Eigeninitiative und Verantwortlichkeit. Verantwortlichkeit gerade für Menschen, sowohl unsere Mitarbeiter als auch unsere Patienten mit ihren Sorgen und Nöten. Ich bin davon überzeugt, dass ein Geschäftsführer die Möglichkeiten seiner Position und seines Unternehmens vor allem zum Nutzen und Vorteil für Andere einsetzen sollte. Es geht nicht darum, Rechte aus dieser Position zu ziehen, sondern sich der darin liegenden Pflichten und Möglichkeiten bewusst zu werden und danach zu handeln.

Wie viel Freizeit haben Sie und was machen Sie damit?

Auch wenn ich ja nur Angestellter und nicht Inhaber bin, steht das Unternehmen natürlich an erster Stelle und erfordert sehr viel Zeit. Was darüber hinaus bleibt ist leider sehr wenig. Eine große Leidenschaft von mir ist kochen (und dann natürlich auch essen) und ich bin ein dankbarer Bücherfreund. Mit dem Älterwerden und dem zunehmenden beruflichen Anspannungen wird für mich der eigene sportliche Ausgleich immer wichtiger, sodass ich wenn irgend möglich mir wenigstens zwei Mal die Woche Zeit für intensives Training nehme. Leider kann ich meine größte sportliche Leidenschaft, Sport-Segeln, hier in Kassel nicht umsetzen. Das ist dann meistens der Inhalt meines Urlaubs.

Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für unsere Region und haben Sie Lösungsansätze?

Die Entdeckung Kassels als Mitte Deutschland und wichtiger Knotenpunkt für Logistik und Dienstleistung ist lange noch nicht ausgeschöpft. Kassel und eigentlich die gesamte Region Nordhessen hat heute schon einen Schwerpunkt in der Gesundheitswirtschaft, aber der ist auch noch viel zu wenig überregional bekannt. Ich erhoffe mir, insbesondere auch vom Betrieb des neuen Flughafens Kassel-Calden, weitere wesentliche Impulse für die Lebendigkeit in unserer Region. Das der Flughafenbetrieb zunächst nur sehr langsam anläuft ist kein Grund zur Beunruhigung, Neues braucht seine Zeit, aber es muss dann auch bergauf gehen. Eine weitere Herausforderung sehe ich darin, die schon viel zu lange im Bau befindlichen Autobahnanschlüsse unserer Region, A49 und A44, endlich zu vollenden. Verkehrswege sind Lebensadern und die braucht unsere Region. Schließlich und sicher zunehmend von Bedeutung ist die Attraktivität Kassels und der Region für den Tourismus. Das Preisleistungsverhältnis für Erholung und die kulturelle Bedeutung, zuletzt bestätigt durch die Anerkennung des Bergparks als Weltkulturerbe, sind eigentlich sensationell. Hiermit wird jedoch noch zu wenig gearbeitet. Möglicherweise ist die größte Herausforderung für unsere Region, dass wir uns hier dieser Werte und Vorzüge selbst viel zu wenig bewusst sind und sie deshalb nicht mit Stolz präsentieren. Da muss jeder vor allem zuerst bei sich selbst ansetzen und diese Vorzüge herausstellen.

Warum sind Sie Mitglied im UNH geworden? 

Ehrlich gesagt, zunächst habe ich den Unternehmerverband überhaupt nicht gekannt und das war auch überhaupt kein Thema für uns. Krankenhäuser verstehen sich nämlich zunächst nicht als Unternehmen und haben ihre eigenen sehr branchenspezifischen Verbände, Gremien und Gliederungen. Als ich dann aber 2004 auf den Unternehmerverband durch den damaligen Hauptgeschäftsführer aufmerksam gemacht wurde, haben wir überhaupt nicht lange überlegt und sind beigetreten. Der Grund dafür lag insbesondere darin, dass ich überzeugt bin, dass die Bildung von Netzwerken, insbesondere branchenübergreifend, bessere Antworten in unserer Zeit bringt für die zu lösenden Fragen. Plattform sein, Meinungen bündeln, Interessen  entwickeln und vertreten, das ist die Aufgabe des UNH und das macht er hervorragend.

Was schätzen Sie besonders am UNH?

Wie gesagt, den Branchenmix, die Idee des Netzwerkes und damit die Möglichkeit sich von Anderen, gerade auch außerhalb der eigenen Branche, inspirieren zu lassen und zu überprüfen, ob nicht dort etwas vielleicht schon lange vorhanden ist, was wir für unsere Arbeit auch einsetzen sollten. Und natürlich auch das lebendige Miteinander mit den Menschen aus den anderen Mitgliedsunternehmen des UNH die ich ohne unsere Mitgliedschaft mit Sicherheit nie kennengelernt hätte.

Wie könnte man Ihrer Meinung nach den Unternehmergeist bei Jugendlichen wecken?

Ich bin davon überzeugt, dass Unternehmergeist quasi von allein entstehen kann, wenn man Jugendlichen Mut macht auf der Grundlage einer soliden Ausbildung eigene Verantwortung zu übernehmen. Die beiden entscheidenden Stichworte sind also „solide Ausbildung“ und „Mut machen“. „Mut machen“ heißt, geeignete Unterstützung zur Verfügung zu stellen, z.B. Beratung durch Fachleute und Begleitung bei der Ideenentwicklung; hier hat sich unsere Universität in den letzten Jahren sehr verdient gemacht. Ansätzen sollten wir bereits in den Abschlussklassen der Schulen, sowohl der allgemeinbildenden als auch der speziellen wirtschaftsfachlichen. Dies hat der UNH schon begonnen und wird es weiter ausbauen.

Vielen Dank, Herr Gribner!

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