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Fragen an die Geschäftsführer: Heute Dr. Gerold Kreuter und Jörg Froharth

Das Format "Fragen an die Geschäftsführer" hat zum Ziel, Geschäftsführer mit ihren Unternehmen vorzustellen. Auf sieben Fragen werden Antworten auf wesentliche Einstellungen und Meinungen gegeben; persönlich, authentisch und unterhaltsam. An der Reihe, die sich im Abstand von zwei Monaten fortsetzt, können alle UNH-Mitglieder teilnehmen. Wir setzen die Reihe fort mit Herrn Dr. Gerold Kreuter und Herrn Jörg Froharth. Sie sind Geschäftsführer der Science Park Kassel GmbH in Kassel.

Herr Dr. Kreuter, Herr Froharth, seit wann besteht Ihr Unternehmen, wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie und was bietet das Unternehmen?

Die Science Park Kassel GmbH besteht seit Ende 2009 und beschäftigt derzeit 7 Mitarbeiter, größtenteils in Teilzeit. Wir bieten vielfältige Unterstützung für Start-ups aus der Universität Kassel. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit UniKasselTransfer - von der Ideenfindung in den Lehrstühlen über Beratung und Inkubation bis hin zur Finanzierung über Crowdfunding, institutionelle Finanzierungsinstrumente sowie die Vermittlung von Venture Capital und Private Equity-Kapital durch unseren Finance Manager. Ziel ist es, durch diese enge Vernetzung der Jungunternehmen auch zur gesamten Region deren Marktchancen deutlich zu erhöhen.

Wie sind Sie zum Geschäftsführer geworden? Wie war Ihr bisheriger Werdegang?

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Dr. Gerold Kreuter, Geschäftsführer der Science Park Kassel GmbH in Kassel
Dr. Gerold Kreuter: Die Berufung zum Geschäftsführer war strategisch sinnvoll. Als langjähriger Geschäftsführer des FiDT Technologie- und Gründerzentrums soll hiermit die enge Vernetzung beider Organisationen sicher gestellt werden. Auch die Vernetzung in die regionale Wirtschaft sollte auf diesem Wege gestärkt werden. Ebenso konnte der Science Park von meiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Vizepräsident des BVIZ, Bundesverband Deutscher Innovationszentren, profitieren.

 

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Jörg Froharth, Geschäftsführer der Science Park Kassel GmbH in Kassel

Jörg Froharth: Seit Ende der neunziger Jahre bin ich bei der Gründungsunterstützung der Universität Kassel tätig, die ich seit 2002 leite. In den vergangenen Jahren konnten wir das Thema "unternehmerisches Denken und Handeln" als ein Profilmerkmal der Universität Kassel ausbauen und entwickeln. Ein Höhepunkt dieser Entwicklung war sicherlich die Auszeichnung "EXIST Gründerhochschule" durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie als eine von drei deutschen Gründerhochschulen im Jahr 2013. Die ersten Ideen zu einem Start-up Zentrum in Kassel gab es bereits in den neunziger Jahren. Ich durfte die Entwicklung bis zur Eröffnung im Jahr 2015 von Anfang an mitbegleiten und mitgestalten.

Was schätzen Sie daran, Geschäftsführer zu sein?

Dr. Gerold Kreuter: Die Unabhängigkeit, sich den Aufgaben und Zielen frei stellen zu können und die Möglichkeit, Erfahrung und Wissen an die jungen Unternehmer weiter zu geben. Insbesondere die immerwährende Auseinandersetzung mit Fragen der Start-ups stellt mich täglich vor neue Herausforderungen, deren Erledigung zum Wohle der Jungunternehmen ebenso oft befriedigt.

Jörg Froharth: Der Science Park Kassel ist die Idee, inspirierende und spannende unternehmerische Persönlichkeiten zusammen zu bringen und ein Umfeld zu schaffen, in dem Neues entstehen kann. Das Gebäude des Science Parks bildet dabei die Umgebung, die Idee des Science Parks kann noch viel weiter entwickelt und gestaltet werden. Das fasziniert mich.

Wie viel Freizeit haben Sie, und was machen Sie damit?

Dr. Gerold Kreuter: Ausreichend, um abzuschalten. Das gelingt am Besten in der Natur, auf dem Rasenmäher oder beim Holzholen im Wald, damit es zu Hause mit der Familie und einem großen Freundeskreis auch warm wird. Und falls diese Wärme nicht ausreicht, kommen noch ausgedehnte Bergtouren und weitere Aktivitäten dazu.

Jörg Froharth: Ein wenig mehr könnte es sein. Freunde und die mittlerweile große Familie sind mir sehr wichtig, und ich hätte gerne mehr Zeit dafür. Kassel und Umgebung genießen bei einer Fahrradtour an der Fulda, einem Spaziergang im Bergpark und einem Bier in der Nordstadt oder im Vorderen Westen. Als Norddeutscher zieht es mich auch immer wieder an die Nordsee mit Krabbenbrötchen und frischer Brise. Und wenn dann noch Zeit bleibt, ist das Weserstadion eine sehr gute Adresse.

Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für unsere Region und haben Sie Lösungsansätze?

Dr. Gerold Kreuter: Die größte Herausforderung für unsere Region ist immer noch zu erkennen, was wir können und vor allem daran zu glauben, dass wir uns nicht hinter anderen Regionen verstecken müssen. Hieran arbeite ich seit dem Beginn meiner beruflichen Laufbahn vor mehr als 30 Jahren, als Pro Nordhessen die ersten Schritte in dieser Richtung unternahm. Mit den seitdem geschaffenen Strukturen in der Region stehen wir hervorragend da. Gerade die Gründerunterstützung durch FiDT und Science Park gemeinsam mit Stadt, Uni und den anderen Playern auf diesem Gebiet ist nicht nur bundesweit einzigartig und eine gute Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft.

Jörg Froharth: Der Wettbewerb der Regionen wird in Zukunft auch und immer mehr ein Wettbewerb um die besten Köpfe sein, und dies gilt insbesondere für den Bereich Unternehmensgründung. Nordhessen hat hier die Chance, ein Hidden Champion zu werden. Daran sollten alle Akteure der Region gemeinsam arbeiten.

Warum sind Sie Mitglied im Unternehmerverband geworden, und was schätzen Sie besonders am UNH?

Gerade für kleine Unternehmen ohne große Stäbe bietet die Mitgliedschaft im Unternehmerverband viele Vorteile. Neben der guten Möglichkeit der engen Vernetzung mit der regionalen Wirtschaft werden auch wichtige Beratungen und Hilfestellungen für die Mitglieder geboten, die wir gern nutzen.

Wie könnte man Ihrer Meinung nach den Unternehmergeist bei Jugendlichen wecken?

Dr. Gerold Kreuter: Wir sitzen recht eng an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und jungen Menschen. Unsere Aufgabe ist es auch, die erfolgreichen Start-ups im Science Park so zu präsentieren, dass deren Erfolg Appetit auf den steinigen Weg eines Unternehmers macht. Unsere jungen Gründer und deren Mitarbeiter sind in der Lage, mit großer Authentizität den Gründerspirit zu verbreiten. Auch versuchen wir, die Angst vor einem Scheitern der Geschäftsidee zu nehmen und vom Gegenteil zu überzeugen, dass man aus einem gescheiterten Projekt eher gestärkt heraus geht und die Fehler beim neuen Anlauf sicher nicht nochmals macht.

Jörg Froharth: Wir erkennen die Neugier und Innovationsfreude der Jugendlichen in unseren Schulen / in der Gesellschaft noch zu wenig an, wenn es um den Bereich Wirtschaft geht. Entrepreneurship, das gekennzeichnet ist durch frisches, unkonventionelles Denken, kommt gerade Jugendlichen sehr entgegen. Doch oft werden ihre Ideen durch eingefahrene Bahnen und Vorgaben im wirtschaftlichen Geschehen und in schulischen Lehrplänen erst gar nicht abgefragt.

Schülerfirmen in den Schulen sind da bereits ein erster Ansatz, der mit dem Bereich Entrepreneurship erweitert werden muss, um den Jugendlichen die Kompetenzen und das Selbstvertrauen zu geben, ihre Ideen zu kommunizieren und umzusetzen. Die Schulen, in Kooperation z. B. mit dem Science Park, der Universität, Start-ups und weiteren sind der Ort, an dem dieses Umdenken stattfinden muss.

Vielen Dank!

Das Interview führte Frauke Syring, M.A.
Unternehmerverband Nordhessen e. V. (UNH)

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