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Fragen an Josef Preis und Jörg Schieke

Unser Interview-Format „Fragen an den Geschäftsführer" hat zum Ziel, Geschäftsführer mit ihren Unternehmen vorzustellen. Auf sieben Fragen werden Antworten auf wesentliche Einstellungen und Meinungen gegeben; persönlich, authentisch und unterhaltsam. An der Reihe, die sich im Abstand von zwei Monaten fortsetzt, können alle AGV-Mitglieder teilnehmen. Wir setzen die Serie fort mit Josef Preis und Jörg Schieke. Sie sind Geschäftsführer der PRÄWEMA Antriebstechnik GmbH in Eschwege.

Herr Preis, Herr Schieke, seit wann besteht Ihr Unternehmen, wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie und was bietet das Unternehmen?

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Josef Preis (links) und Jörg Schieke, Geschäftsführer der PRÄWEMA Antriebstechnik GmbH in Eschwege. Sie kamen als Finalisten in die Endrunde beim diesjährigen hessischen Innovations- und Wachstumswettbewerb HESSEN CHAMPIONS.
Der Name des in 1908 in Berlin gegründeten Unternehmens leitet sich ab von Präzisionswerkzeugmaschinen. 1995 haben wir die Assets von der ehemaligen Präwema Werkzeugmaschinenfabrik übernommen und mit knapp 60 Mitarbeitern den Betrieb aufgenommen. Heute beschäftigen wir 300 Mitarbeiter, sind Weltmarktführer in der Herstellung von Verzahnungshonmaschinen. Weiterhin vermarkten wir erfolgreich Werkzeugmaschinen für die Herstellung von Synchronteilen. Neu im Programm haben wir auch die Herstellung von Verzahnwerkzeugen.

Wie sind Sie zum Geschäftsführer geworden? Wie war Ihr bisheriger Werdegang?

Josef Preis: Nach dem Maschinenbaustudium arbeitete ich zunächst in verschiedenen technischen Positionen bei einem Werkzeugmaschinenbauer. Nach 15 Jahren Basisarbeit war ich in diesem Betrieb als technischer Leiter tätig. Aus dieser Position heraus erhielt ich das Angebot, als Geschäftsführer die Firma PRÄWEMA Antriebstechnik aufzubauen.

Jörg Schieke: Nach dem Studium Konstruktion Werkzeugmaschinenbau an der TU Dresden begann ich 1991 nach einer Zwischenstation als Konstrukteur bei PRÄWEMA. Nach der Tätigkeit Gruppenleiter Konstruktion wurde ich 1995 technischer Leiter und in 1997 zum Geschäftsführer berufen.

Was schätzen Sie daran, Geschäftsführer zu sein?

Josef Preis: Die Zukunft mit einem engagierten Team zu planen und Schritt für Schritt umzusetzen, ohne dass einem jemand reinredet.

Jörg Schieke: Der wichtigste Punkt ist sicherlich, im Interesse der Firma gestalten zu können. Diese Gestaltung ebenfalls weltweit für neue Lösungen zu nutzen ist eine sehr interessante Tätigkeit.

Wie viel Freizeit haben Sie, und was machen Sie damit?

Josef Preis: Als Geschäftsführer unterscheidet man nicht zwischen Job und Freizeit, die Grenzen sind fließend. Die Ideen zur Weiterentwicklung entstehen nicht selten in geselliger Runde mit Arbeitskollegen. Segeln, Skifahren, regelmäßiges Kartenspielen und Reisen sind jedoch feste Fixpunkte im Terminkalender.

Jörg Schieke: Die Freizeit ist sehr knapp bemessen, somit haben Familie und Freunde Priorität. Auch das Reisen in ferne Länder bringt die nötige Entspannung.

Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für unsere Region und haben Sie Lösungsansätze?

Nordhessen jammert zu viel. Schon beim Lesen der Tageszeitung dominieren Schlagworte wie "Landflucht, Leerstand, benachteiligtes Gebiet usw."
Nordhessen ist viel besser, als es sich darstellt. Allerdings wachsen in diesem Klima zu wenig Eigeninitiative und Unternehmertum.
Da Nordhessen nicht unbedingt zu den "boomenden Regionen" gehört, ist es umso wichtiger, insbesondere jungen Menschen eine Karriere in einem international tätigen Unternehmen zu bieten.

Warum sind Sie Mitglied im Arbeitgeberverband geworden, und was schätzen Sie besonders am AGV?

Arbeitgeber, besonders Mittelständler, sind mit ihren Ideen der Motor unserer wirtschaftlichen Entwicklung. Im AGV gibt es Leute, die Ideen haben, daran glauben und auch etwas riskieren. Man fühlt sich deshalb unter Gleichgesinnten. Über den AGV gibt es immer die Möglichkeit, sich mit ähnlich strukturierten Unternehmen auszutauschen. Das schätzen wir besonders.

Wie könnte man Ihrer Meinung nach den Unternehmergeist bei Jugendlichen wecken?

Josef Preis: Das Problem sehe ich nicht bei den Jugendlichen, sondern bei der Einstellung in unserer Gesellschaft. Solange wir unseren Jugendlichen vermitteln, dass eine Laufbahn im öffentlichen Dienst erstrebenswerter ist als eine Stelle in der Privatwirtschaft, wird sich hier nichts ändern. Natürlich brauchen wir auch einen leistungsfähigen öffentlichen Dienst, aber noch mehr brauchen wir neue Ideen und Geschäftsfelder, an die wir glauben und die wir verwirklichen.

Im Zeitalter des Internets, der neuen Mobilität und der Energiewende gibt es große Chancen. Dies müssen wir unseren Jugendlichen vermitteln. Aber auch das Handwerk wird zukünftig wieder an Bedeutung gewinnen. Wer soll unsere Häuser bauen, Bäder fliesen, Heizungen und Dächer reparieren, wenn keine Facharbeiter und Betriebe nachwachsen?

Jörg Schieke: Gerade bei einem mittelständischen Unternehmen haben insbesondere Jugendliche die Möglichkeit, sich breiter einzubringen als bei einem Konzern. Daher sind die Möglichkeiten, sich nach den eigenen Fähigkeiten und Interessen weiter zu entwickeln, viel größer. Unser mittleres Management versuchen wir immer aus den eigenen Reihen zu besetzen. Somit können sich auch unternehmerisch denkende junge Menschen engagieren und auch weiter kommen.

Vielen Dank!

Das Interview führte Frauke Syring, M.A.
Arbeitgeberverband HESSENMETALL Nordhessen

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